VORGESCHICHTE
In der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg wurde der Schlaf- und Speisewagenbetrieb in Deutschland durch die 1876 gegrün- dete Internationale Schlafwagengesellschaft (ISG) mit Sitz   in Brüssel beherrscht.                                                            Im Dezember 1896 kam es zur Gründung einer Tochter-gesellschaft der Deutschen Eisenbahn-Speisewagen-Ge- sellschaft (DESG). Es gab noch weitere Unternehmen, die jedoch nur regionale Bedeutung hatten. Den Schlafwa-genbetrieb teilten sich in dieser Zeit die ISG und die preußisch-hessische Eisenbahnverwaltung, die über ihr Gebiet hinaus Schlafwagen in eigener Regie betrieb. Im Zuge des Ersten Weltkriegs beschäftigten sich schnell auch Regierungsstellen mit der Tatsache, dass ein belgisch-französisches Unternehmen in Deutschland, Österreich und Ungarn Schlaf- und Speisewagen unterhielt.                     Bereits 1915 verfasste der Preußische Minister für öffentl- iche Arbeit eine Denkschrift "betreffend der Verdrängung
der Internationalen Schlafwagen-Gesellschaft aus Deutschland und Österreich-Ungarn". Außer der Baye- rischen Staatsbahn, die damals schon um den Tourismus und die damit verbundenen Einnahmen fürchtete, fanden   die Überlegungen bei allen anderen Länderbahnen Zu- stimmung. Ein solches Vorhaben war jedoch nur im Ein- vernehmen mit Österreich-Ungarn zu realisieren. Die beteiligten Bahnverwaltungen der Länder kamen überein, dass der neuen Gesellschaft das ausschließliche Recht   zum Betrieb von Schlaf- und Speisewagen zu übertragen   ist.
GESCHICHTE BIS 1945
Die Gesellschaft wurde am 24. November 1916 als Mittel-europäische Schlafwagen- und Speisewagen Aktiengesell-schaft gegründet. Ziel war es, die Dominanz der franzö- sisch-belgischen Internationalen Schlafwagengesellschaft (CIWL/ISG) einzuschränken. Begründer der MITROPA wa- ren u. a. Eisenbahnverwaltungen aus Deutschland, Öster- reich und Ungarn unter der Beteiligung von Banken. Dem Aufsichtsrat gehörten außer den Staatsbahnverwaltungen, Vertreter von Banken (ohne die ging auch damals schon nichts!) sowie der Norddeutschen Lloyd und der Hamburg-Amerika-Linie an. Die regionalen Schlafwagenbetriebe gin- gen in dem neuen Unternehmen auf. Mit 5 Millionen Mark Stammkapital startete das neue Unternehmen den Ge- schäftsbetrieb. Mit der Aufnahme des Geschäftsbetriebs erhielt die Gesellschaft das Monopol zum Betrieb von Speise- und Schlafwagen in den drei Ländern bis zum 1. Oktober 1946. Anfangs benutzte man die Abkürzung MSG. Erst später bürgerte sich der Name MITROPA ein. In einem Vertrag wurde vereinbart, dass die MITROPA die Speise- und Schlafwagenkurse in Deutschland und in  den besetz- ten Gebieten sowie die vorhandenen Wagen, die Vorräte an Lebensmitteln, Getränken und Rauchwaren und auch das Personal der ISG und der schon bestehenden deutschen Schlaf- und Speisewagengesellschaften übernimmt. Aus heutiger Sicht kann dieser Vertrag nur als Diktat betrachtet werden.       
Ab 1916 übernahm die MITROPA auch die Bewirtschaf-   tung des sogenannten Balkanzuges. Der Zug war als Ge- genstück zum Orientexpress gedacht und fuhr zweimal in  der Woche u. a. von Berlin über Budapest, Belgrad und  Sofia nach Konstantinopel. Der Zug führte Schlaf- und Speisewagen sowie Wagen der 1. und 2. Klasse mit sich.   Um die Herkunft eingereihter Teakholzwagen der ISG zu verschleiern, wurden die Embleme mit einer Tafel abge- deckt. Nach der Kapitulation der Mittelmächte wurde der Betrieb des Zuges eingestellt. Der Versailler Vertrag schränkte nunmehr die Betriebsführung der MITROPA er- heblich ein. Die ISG führte 20 Prozesse gegen die Reichs- bahn und das Deutsche Reich vor einem Schiedsgericht.  Ziel der ISG war es die alten Verträge wieder herzustellen. Ferner wurden hohe Schadensersatzansprüche gestellt sowie die Herausgabe der von der MITROPA übernom- menen Wagen gefordert. Das Gebiet der MITROPA wurde durch Verträge mit der ISG stark eingeschränkt und wieder auf Deutschland und Österreich beschränkt. Alle  Transitzü- ge wurden entsprechend einer Regelung im Artikel 367 des Versailler Vertrages durch die ISG bewirtschaftet. 1921 wurde aus Sicherheitsgründen eine 40%ige Beteiligung mit der Great Easter Railway Co., London am Kapital der MITROPA vereinbart. Die Beteiligung wurde in eine eng- lisch-kanadische Gruppe in Genf eingebracht, an der die MITROPA nun mit 20% beteiligt war. Damit sollten die alten Kozessionen der MITROPA im Ausland gesichert werden und noch wichtiger: Die angestebte 51%ige Beteiligung der ISG an der MITROPA wurde verhindert.
Am 10 Januar 1925 endeten die im Versailler Vertrag gere- geten Vorrechte der ISG. Nun hätte die MITROPA  mit der ISG eine Vereinbarung über den Betrieb im Monopolgebiet der jeweils anderen Gesellschaft schließen können. Dazu kam es jedoch nicht. Die DSG verhandelte direkt mit der Deutschen Reichsbahn bzw. der neu gegründeten Deut- schen Reichsbahngesellschaft, deren Aufsichtsrat wieder- um mit Vertretern der Alliierten besetzt war. Erst später wurde auch die MITROPA an den Verhandlungen beteiligt. Wieder einmal wurde ein Vertrag zwischen der MITROPA und der ISG geschlossen, der am 23. April ratifiziert wurde.      Die ISG erhielt darin weiterhin das Recht auf Bewirtschaf- tung von Transitzügen durch Deutschland. Der MITROPA wurde im Gegenzug die Bedienung von Zügen zwischen Deutsch- land, dem Saarland und Danzig sowie zu be- stimmten Zielen in Österreich, der Schweiz, Skandinavien, Böhmen und Holland gestattet. Der Vertrag sollte zunächst bis 1934 gelten. Ab 1928 betrieb die MITROPA auch Speisewagen auf der Berninabahn und der Rhätischen  Bahn, so konnten auch die Fahrgäste zwischen Chur und   St. Moritz bei der MITROPA essen und trinken.

Lokomotive Ge 6/6 81 der Bernina Bahn (BB), heute Rhätische Bahn, vor neuen Speisewagen der MITROPA vor dem Bernina-Express 1928.
Foto: WIKIMEDIA Commons, Quelle: privat postcard colletion Urheber: unknow - Medium ist gemeinfrei, da das Urheberrecht abgelaufen ist und die Autoren unbekannt sind
In der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen begann die    Gesellschaft auch weitere Geschäftsfelder zu übernehmen. So wurde der Restaurationsbetrieb auf den Schiffen der Donau - Dampfschifffahrtsgesellschaft und die Fähren der Strecke Sassnitz - Trelleborg betrieben. Auch die gastro-nomische  Versorgung in den Flugzeugen der noch jungen Lufthansa wurde von der MITROPA ausgeführt. Die MITROPA sorgte nicht nur für die Speisen und Getränke sondern stellte auch die Ausrüstung. Statt der heute übli- chen Stewardessen kam der Kellner von der MITROPA.    Die Flugreise steckte noch in den Kinderschuhen und  musste ihre eigene Form noch finden.
Es begann eine Epoche der guten wirtschaftlichen Ent- wicklung. Hoher Qualitätsstandard der Fahrzeuge und der ausgezeichnete Service trugen dazu bei. Ab dem Jahr 1923 beschaffte die MITROPA neue Wagen - 20 Schlafwagen wurden in Dienst gestellt. 1928 waren es sogar 68 und 40 Speisewagen.                                                                                            Die Wagen erhielten ab 1927/28 erstmals den bordeaux- roten Anstrich sowie das typische MITROPA - Emblem. Entworfen hatte die typische Schrift und das Emblem der Gebrauchsgrafiker Karl Schulpig (1884 -1948).


Schon auf dem Bahnsteig konnte der Fahrgast für eine Reichsmark die MITROPA - Kissen anmieten, die in Papiertüten erhältlich waren. Kleinigkeiten, die jedoch zum guten Ruf des Unternehmens beitrugen. 1928 kam für die MITROPA die Bewirtschaftung des legendären "Rhein-  golds" hinzu, der neue Maßstäbe in Luxus und Komfort setzte. Die speziell konstruierten schweren Pullmannwagen boten ein Reise-erlebnis der Sonderklasse. Jeder 2. Wagen war mit einer Küche ausgestattet, es gab keine Speise-wagen, der Gast wurde am Sitzplatz bewirtet. Die komfor-tablen Salonwagen waren mit kleinen Tischen und Lampen ausgestattet. Der Zug war mit seiner Route ent-  lang der Rheinstrecke von Amsterdam nach Basel ein absolutes "Muss" für viele Fahrgäste aus Deutschland und die DRG und die MITROPA warben kräftig dafür. Der exquisite Luxuszug konnte sich aber auch von innen und außen se- hen lassen: Die Salonwagen zeichneten sich durch ihren violett-cremefarbenen Anstrich und durch die vergoldeten Aufschriften aus, während im Innenraum der 1. Klasse kein Wagen dem anderen glich, Möbel und Teppiche unter-schieden sich in Form und Farbe.    
                              
Blick in den Salon-Wagen 1. Klasse mit seinen schweren Gobelin-Klubssesseln im Rheingold-Express
 Foto: WIKIPEDIA Creative Common-Lizens mit Verweis auf Bundesarchiv, Bild 102-  10450 / CC-BY-SA 
Die weiteren Expansionsüberlegungen der MITROPA zum Ende der 1920er Jahre wurden ausgerechnet durch die DRG, die die Aktienmehrheit besaß, verhindert. Per Wei- sung untersagte sie jede Ausweitung der Geschäfte auf    den osteuropäischen Raum wie z. B. Polen, Rußland und Jugoslawien. Die Arbeit in Österreich, Ungarn, Schweiz und Holland blieb davon jedoch unberührt.

Februar 1932: Eine Neuerung bei der deutschen MITROPA-Schlafwa-gengesellschaft: Betten frei, ein erleutetes weithin sichtberes   Schild am Schlafwagen, in welchem noch Betten für das Publikum   frei sind.                                                                                                     Foto: WIKIPEDIA Creative Common-Lizens mit Verweis auf Bundesarchiv, Bild 102-13088/CC-BY-SA  
Nach der Machtübernahme durch die Nazionalsozialisten musste auch die MITROPA ihren Beitrag zur Propaganda  leisten. Der Höhepunkt kam mit den Olympischen Spielen 1936 in deren Folge die MITROPA 1.775 Sonderzüge be- wirtschaftete.
Im Jahr 1939 fuhren täglich 244 Schlaf- und 298 Speise- wagen. Die Verträge mit der ISG wurden außer Kraft ge-  setzt und eine Reihe von Schlaf- und Speisewagen muß-   ten an die Wehrmacht abgegeben werden. Die Schlaf-wagenkurse von Berlin aus waren ständig überbelegt. Ab 1943 wurde die Schlafwagenbenutzung auf Anordnung des Verkehrsministeriums nur noch für kriegswichtige Reisen zugelassen. In den Speisewagen wurden für den Verzehr Lebensmittelkarten notwendig. Zwischen 1939 und 1944 übernahm die MITROPA die Bewirtschaftung der Bahn-hofsgaststätten in Königsberg, Posen, Kattowitz, Thorn, Krakau und Warschau. Mit dem Sommerfahrplan 1941 ka-men Schlafwagenkurse nach Rumänien und später nach Griechenland dazu. Diese Erweiterungen konnten aber nicht über den allgegenwärtigen Mangel an Material, Lebensmitteln und Mitarbeitern hinwegtäuschen. So be- fanden sich 1944 über 2.300 Mitarbeiter bei der Wehrmacht. Die Fahrzeugverluste durch Bomben- und Fliegerangriffe beliefen sich 1944 auf ca. 2,27 Millionen Reichsmark. Bei Kriegsende waren die Wagen der MITROPA in alle Länder versteut. Um den Angriffen der Roten Armee zu entkommen verlegte man die Direktionsverwaltung im April 1944 in ei- nem schnell zusammengestellten Speise- und Schlaf-wagenzug von 14 Wagen aus Berlin über Ratekau und Bad Segeberg nach Hamburg. Der satzungsgemäße Sitz der MITROPA blieb jedoch Berlin.

Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg     

In der Folge des Zweiten Weltkrieges und der Teilung Deutschlands wurde auch die MITROPA geteilt. Aufsichtsrat und Vorstand in Hamburg versuchten zwar noch die Leitung zu behalten, aufgrund ihrer politischen Vergangenheit war dies jedoch nicht mehr möglich. Aus der Direktion West der MITROPA  AG ging die Deutsche Schlafwagen- und Speise-wagengesellschaft (DSG) hervor, die die Schlaf- und Spei- sewagen der Deutschen Bundesbahn in der BRD bewirt- schaftete.                                                                                 Am 22. Mai 1945 wurde die MITROPA durch den Oberbuch- halter Reisch, der zwar keine Prokura aber eine Handels-   vollmacht besaß, formgerecht beim Magistrat der Stadt  Berlin angemeldet. Am 23. Mai 1945 meldeten die Schlaf-wagenschaffner Witzke und Inzinger die MITROPA AG beim Wirtschaftsamt Berlin-Mitte beim Bezirksbürgermeister III in der Dorothenstraße an und Witzke übernahm am 24. Mai 1945 kommissarisch die Leitung des Unternehmens. Sitz   des Unternehmens war unverändert das Direktionsgebäude in der Universitätsstraße 2/3a.                                                  Durch eine Vollmacht vom 27. Juli 1945 des damaligen Ge- neraldirektors der Deutschen Reichsbahn Dr. Apel wurde   Dr. Kieschke zum kommissarischen Leiter der MITROPA bestellt. Dr. Kieschke, von 1926 bis 1942 Vorsitzender des Vorstandes der MITROPA, war zwar ehemaliges Mitglied     der NSDAP, aber da es um einen schnellen Wiederaufbau ging, wurde die fachliche Qualifikation in den Mittelpunkt gestellt. Und das nicht nur in der Sowjetischen Besat-zungszone. Dr.Ing. Erich Leicher, mit 36 Jahren Chef des technischen Dienstes der MITROPA und ab 1942 Mitglied des Vorstandes und stellvertrtender Direktor, wurde Leiter der MITROPA - Betriebe in der britischen Zone. Als sich 1950 aus der abgespaltenen "MITROPA-Direktion  West" zusammen mit der Hamburger Speisewagengesellschaft die DSG bildete, wurde er einer der zwei Geschäftsführer.  Die MITROPA besaß nach Kriegsende noch einige Schlaf- und Speisewagen, von denen sich die größte Anzahl in den westlichen Besatzungszonen befanden. Dem allgemeinen Trend folgend wurde alles Verwertbare vor den anrücken- den sowjetischen Truppen aus dem östlichen Teil Deutschlands abgezogen. Wie bereits erwähnt wurde durch die MITROPA im April 1945 ein Teil an Werten und wichti- gen Unterlagen nach Bad Seegeberg/Holstein ausgelagert. Kurze Zeit später folgte ein kompletter Zug mit leitenden Mitarbeitern, Wertgegenständen, Genußmitteln  und weite- ren Unterlagen. Die verbliebenen Wagen wurden über- wiegend von den Reichsbahndienststellen und den Be- satzungsmächten genutzt. Ebenso das in den Wagen und  Lägern befindliche Inventar, wie Wäsche, Geschirr und Zubehör. Zu dieser Zeit befanden sich im Besitz der MITROPA:                                                                                - Grundstücke in Berlin und anderen deutschen Städten so-  wie in Holland und in Wien,                                                      - fünf Speisewagen bei der Rhätischen Bahn in der Schweiz,  - Reparaturwerke in Gotha und Falkensee, welches später völlig demontiert wurde,                                                            - eine große Kellerei in Traben /Trarbach,                                - das Geschäftshaus in der Universitätsstraße in Berlin,         - eine große Wäscherei in Berlin-Hohenschönhausen und     eine in Hamburg/Altona,                                                           - erhebliche Vermögens- und Vertragswerte im In- und Ausland,                                                                                         - eine Reihe von Bahnhofswirtschaften und Flughafenres-taurants,                                                                                          - über 75 % ihrer Tochtergesellschaft "Elite"-Autofahrt   GmbH in Berlin,                                                                        - MITROPA - Abteilungen in Hamburg/Altona, Köln, Frank- furt am Main, Stuttgart und München und                                 - Abteilungen in Köln und Frankfurt am Main auf eigenen Grundstücken.                                                                         Die Deutsche Revisions- und Treuhand-Aktiengesellschaft Berlin stellte in ihrer Eröffnungsbilanz im Mai 1945 ein Ge- samtvermögen in Höhe von etwa 6,5 Millionen Reichsmark fest. Durch den Krieg verlor die MITROPA somit 83,7 %  ihres Vermögens durch die entstandenen Wertminderungen und Verluste. Von den festgestellten ca. 6,5 Millionen befanden sich lediglich 2,1 Million RM auf dem Gebiet der sowjetischen Besatzungszone, die anderen 4,5 Millionenin den westlichen. Später stellte sich heraus, dass die Werte bezogen auf die sowjetische Zone stimmten aber das Gesamtvermögen we-sentlich höher gewesen sein muß. Allein nur für die britische Zone betrug nach deren Haupt-buch die Eröffnungsbilanz vom Mai 1945 5,2 Mio RM und  fünf Monate später erfolgte eine Korrektur auf 10,4 Mio RM.                                                                                       Mit der Unterzeichnung der bedingunglosen Kapitulation endete der Zweite Weltkrieg und hinterließ erhebliche Zer- störungen natürlich auch im Verkehrswesen. Allein im östlichen Teil Deutschlands waren zwei Drittel der Werk- stattgebäude von Reichsbahnausbesserungswerken und Hauptwerkstätten zerstört oder schwer beschädigt - genau wie 56 % der Lokomotiven und 59 % der Personenwagen. Natürlich war auch die MITROPA betroffen. Von den 1944 vorhandenen 596 Schlaf- und Speisewagen befand sich bei Kriegsende der größte Teil im westlichen Teil Deutschlands.   In der sowjetischen Zone verblieben 108 Fahrzeuge, wovon 70 lediglich als sogenannte "Merkposten" aufgeführt wurden (nur auf dem Papier vorhanden). Von den tatsächlich vorhan-denen 38 Wagen waren nur 4 Schlafwagen und 28 Speisewagen voll oder beschränkt einsetzbar.                        Hinzu kamen die Reparationen an die Siegermächte, die be-kanntlich in den Besatzungszonen sehr unterschiedlich ver-liefen. Während in den Westzonen ca. 5 % des Indus-triepotentials verloren ging, waren es im Osten ca. 40 %. So verlief auch der Wiederaufbau der MITROPA enorm unterschiedlich.                                                                        

Nach 1949 begann im östlichen Teil Deutschlands mit der Gründung der DDR der Wiederaufbau der MITROPA.       

 Die folgenden Eckpunkte belegen die Entwicklung:    

1949   *Am 1. Oktober eröffnet die MITROPA eine Bahn-       hofsgaststätte in Halle Hbf.                                                       1950   *Der erste Schlafwagen rollt im grenzüberschreiten- den Verkehr nach Prag                                                      1951   *Die MITROPA übernimmt die Bewirtschaftung des ersten Speisewagenlaufs nach Brest                                   *Der erste Schlafwagen verkehrt nach Bukarest                    1952   *Die MITROPA übernimmt 10 weitere Bahn- hofsgaststätten und bewirtschaftet damit 34 der größten Bahnhofsgaststätten                                                                  1953   *Auf den ersten Schiffen der Weißen Flotte wird die Bewirtschaftung übernommen (ab dem 1.9.1954 für alle Schiffe in Berlin)                                                                      1954   *Der Bahnhof Berlin-Friedrichstraße erhält ein MITROPA - Cafe                                                                       *Auf den von der MITROPA bewirtschafteten Bahnhöfen übernimmt das Unternehmen die HO-Kioske                    1955   *Die MITROPA richtet eine Silberwerkstatt ein          1956   *Die MITROPA - Kioske werden standardisiert         *Die MITROPA übernimmt die Bewirtschaftung der Schiffe   der Weißen Flotte in Dresden                                            1957   *In Meinigen wird die erste Selbstbedienungsgast- stätte der MITROPA eröffnet                                                 1958   *Die Bewirtschaftung der Flughäfen Berlin Schöne- feld, Erfurt-Bindersleben und Barth wird Übernommen     1959   *Karl-Marx-Stadt (heute wieder Chemnitz)) Hbf. er-  hält ein Selbstbedienungsgaststätte

Salonwagen 1959 (Foto aus dem Archiv unserer Mitglieder - Autor unbekannt)     

*Ab dem 6. Juli bewirtschaftet die MITROPA das Eisen- Fährschiff "Saßnitz", später auch die "Warnemünde"             1960   *Halle Hbf. erhält eine Selbstbedienungsgaststätte      1961   *Die MITROPA übernimmt die Autobahnraststätten    In den Hauptbahnhöfen von Gera, Rostock, Frankfurt/Oder, Schwerin, Magdeburg und Berlin-Ostbahnhof werden SB- Gaststätten eingerichtet                                                            *Im Reparaturwerk Gotha wird die Produktion von Typenki- osken aufgenommen, acht werden eingesetzt

                     Fotos aus dem Vereinsarchiv, Qelle: MITROPA AG - Abteilung Öffentlichkeitsarbeit, 1969   

1962   *Es werden 26 neue Typenkioske eingesetzt               *In Berlin-Schönefeld werden das neue Flughafenrestaurant und das Hotel in Betrieb genommen                                    *Innerhalb des Raststättennetzes wird in Freienhufen die er- ste Selbstbedienungsgaststätte eröffnet                                *Am 26. Februar wird die Intershop GmbH gegründet - es  werden fünf Verkaufsstellen eröffnet                                        *Im Pionierpark in Berlin wird eine MITROPA - Kindergast- stätte eröffnet                                                                        

Berlin Dezember 1956: Tag und Nacht ist die MITROPA- Gaststätte   des Berliner Ostbahnhofes für die Reisenden geöffnet                    Foto: WIKIPEDIA Creative Commons-Lizens mit Verweis auf Bundesarchiv, Bild 183-43489-0004 / Weiß, Günter / CC-BY-SA

In einer MITROPA-Gaststätte 1961 (Ort unbekannt)                                               Foto: aus dem Vereinsarchiv - Autor unbekannt

 MITROPA-Kiosk am S-Bahnhof Berlin Schöneweide 1963                                  Foto: aus dem Vereinsarchiv - Autor unbekannt

1963   *Die MITROPA übernimmt die Bewirtschaftung des     Eisenbahnfährschiffes "Warnemünde und de TOUREX        *In Berlin-Treptow wird eine Vorküche in Betrieb genommen *Karl-Marx-Stadt erhält eine Biertankanlage                             *Der Autobahnrasthof Magdeburg-Börde wird eröffnet           1964   *Bei den Raststätten Michendorf und Dresden-  Stetsch werden Erweiterungsbauten vorgenommen              *In Draschwitz wird ein Zentrallager eingerichtet           *Dresden Hauptbahnhof erhält eine SB-Gaststätte  



Im Speisewagen 1964 (Fotos aus dem Vereinsarchiv - Autor unbekannt)                                                                                         1965   *Das Hotel "Hermsdorfer Kreuz" wird rekonstruiert    *Die Läden der Ost- und der Westhalle im Leipziger Haupt- bahnhof werden modernisiert                                                   *Der Speisesaal der MITROPA - Gaststätte Berlin-Ostbahn- hof wird rekonstruiert                                                              1966   *In der Westhalle des Leipziger Hauptbahnhofes er- öffnet eine Kaffeestube                                                          1967   * Leipzig Hauptbahnhof erhält eine SB-Gaststätte    *Im Bahnhof Berlin-Friedrichstraße wird eine Intershop- Großraum-Verkaufsstelle eröffnet                                             *Das erste MITROPA-Autobuffet wird in Betrieb genommen  1968   *Die Autobahnraststätte Schkeuditz wird eröffnet     *Weitere SB-Gaststätten in den Bahnhöfen von Saalfeld, Stralsund, Bitterfeld, Rostock und Angermünde werden ein- gerichtet                                                                                 *Bei der Raststätte Michendorf wird eine Automatenhalle in Betrieb genommen                                                               *Drei Both-Hallen werden als Versorgungseinrichtungen er- öffnet   

                                                                                         1969   *Das Rügen-Hotel "Saßnitz" wird eröffnet   

*Der zentrale Produktionsbetrieb in Berlin-Altglienicke wird fertig gestellt                                                                            *Die Bahnhofsgaststätte Berlin-Friedrichstraße wird rekon- struiert

*Teilkapazitäten des Motels bei Usadel werden genutzt








            Abbildungen aus: MITROPA - Das Betriebsgesicht, Herausgeber: MITROPA-Direktion, Presse und Werbung, 1964   

Die Kooperation zwischen der DSG und der MITROPA funktionierte in diesem Zeitabschnitt den Umständen ent- sprechend gut. Die DSG besaß zwar die Markenrechte am Namen und Zeichen MITROPA, überließ aber diese zur Nutzung der MITROPA. Die MITROPA nutzte das an einen Reichsadler erinnernde Zeichen aber abgewandelt: Der Adlerkopf über dem "M" entfiel, das vormals vierspeichige,   in der Verbindung mit dem Adler an ein Hakenkreuz erin- nernde Rad erhielt jetzt zwei weitere Speichen.

      MITROPA-Schriftzug und MITROPA-Warenzeichen                        Abbildungen aus: MITROPA - Das Betriebsgesicht, Herausgeber:           MITROPA-Direktion, Presse und Werbung, 1964



   MITROPA Witze 70er Jahre







     

Auf dem Gebiet der Reisebetreuung im Verkehr zwischen  der BRD und der DDR bestanden mehrere Vereinbarungen mit der DSG. Auch mit der CIWLT und den Staatsbahnen Schwedens, Finnlands, Norwegens und Dänemarks gab es Vereinbarungen zur Kooperation und Zusammenarbeit. Weitere mit der UdSSR, Polen, der Tschechoslowakei, Un- garn, Rumänien, Bulgarien, Jugoslawien, Österreich, Ita-  lien und der Schweiz.

Eine Herausforderung ist die Fortsetzung der Geschichte über die 70er und 80er Jahre,  gibt es doch wenig erschöpfendes Material über diesen Zeitabschnitt. Wir werden weiter recherchieren!

  

 MITROPA 1974                                                                     Bilder  aus dem Vereinsarchiv - Autor unbekannt






Hier noch einige Bilder aus dem Vereins- archiv aus den 70er und 80er Jahren






Berlin-Karlshorst 1983


Berlin-Lichtenberg 1983







BERLIN - Ostbahnhof/Hauptbahnhof 1988












Nach der Wiedervereinigung Deutschlands existierten die Deutsche Bundesbahn und die Deutsche Reichsbahn sowie deren Schienengastronomie-Tochtergesellschaften bis 1994 nebeneiander. 1994 wurden die beiden Bahnunternehmen zur Deutschen Bahn AG fusioniert und die MITROPA und   die DSG zur MITROPA AG zusammengeschlossen.

 
Die MITROPA in der  Schweiz

Am 5 Juni 1996 wurde die Mitropa Mitteleuropäische Schlaf-wagen- und Speisewagen Aktiengesellschaft, Berlin, Zweig-niederlassung Basel, Schweiz gegründet. Sie sollte den "Service in Tageszügen, im Schlafwagen- und Liegewagen- verkehr, auf Fährschiffen, in stationären Servicebereichen der Personenbahnhöfe, in Hotels, in Raststätten an Auto- bahnen und Straßen, auf Flughäfen" erbringen. Das Ge- schäft der Buffet Suisse SA (früher Minibuffet AG, zwischen- zeitlich in Liquidation) wurde am 1. März 1997 übernommen.  Am 21. August 1997 wurde die Mitropa Suisse SA Bern (ab 13. Januar 2003 als DB Reise&Touristik Suisse SA) ge- gründet. Sie übernahm die Leistungen der Zweignieder-lassung, die am 9. Dezember 2005 gelöscht wurde. 2002 wurde diese Leistung von der Passaggio Rail AG, heute elevito AG und 100%-ige Tochter der SBB, wieder übernommen.

Zugegeben, das sind alles komplizierte und kaum zu über- schauende Vorgänge, deren Sinn und Zielstellungeen nur von den beteiligten Finanzmangnaten erklärt werden könn- ten aber diese Fakten gehören nun einmal zur Geschichte der MITROPA!

Die MITROPA nach der Wiedervereinigung bis 2006

Die neue MITROPA AG hatte vier Geschäftsbereiche: Service im Zug, Gastronomie und Handel an Bahnhöfen, Service an der Straße und Schiffscatering. Der Bereich Schiffscatering wurde 1999/2000 an Scanlines abgege- ben. Das Tagesgeschäft (hauptsächlich die Bewirtschaf- tung der Speisewagen) aus dem Bereich Service im Zug sowie die dazugehörige Logistik (Fahrzeugwartung, Lebensmittellager und -belieferung) wurden 2002 in die damalige DB Reise & Touristik AG (seit November 2003 DB Fernverkehr AG) integriert.                                                                                                    Das Nachtgeschäft (hauptsächlich die Bewirtschaftung von Schlaf- und Liegewagen) wurde 2002 in die neu ge-gründete DB European Railservice AG integriert. Damit entfiel unter der Leitung von Hartmut Mehdorn  der traditionsreiche Name für die Bordgastronomie der Züge der Deutschen Bahn.                                                  Seither sind die  Restaurantkräfte nur noch schwer von den Schaffnern und Zugführern zu unterscheiden.  

                                                                                                                          Am 2. April 2004 wurde die MITROPA AG  mit den ver- bliebenen Geschäftsbereichen an die Compass Group Deutschland GmbH mit Sitz in Eschborn verkauft. Ende 2004 firmierte das Unternehmen MITROPA AG sich um  in Mitropa GmbH.

2005 beschäftigte das Unternehmen bundesweit 1.950 Mit- arbeiter im Bereich stationäre Gastronomie & Handel für Rei-sende an 46 Bahnhöfen sowie 34 Autobahnraststätten und Autohöfen. Im Jahr 2006 wurde die Mitropa  GmbH aus dem Konzern herausgelöst und firmiert nun als SSP Deutschland GmbH.

Sollten wir mit diesen Ausführungen Ihr Interesse an der Geschichte der MITROPA geweckt haben und Sie möchten noch mehr Details erfahren, verweisen wir Sie gern auf unsere vereinsinterne Schriftenreihe zu diesem Thema. Informationen zum Erwerb finden Sie auf der Seite Service.

Wir werden uns weiter mit dieser Thematik befassen, unse- re Ausführungen ergänzen und die weitere Entwicklung doku-mentieren!

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